12 Nov, 2009
“Warum machst du das eigentlich?” – Über mein Leben mit dem Web 2.0
Posted by: saarlodri In: Community-Leben| Schule/Unterricht/Didaktik| Twitter| Twitterstammtisch| Web 2.0| Über das Leben eines Bloggers
Hallo liebe BlogleserInnen,
eigentlich ist es schon viel zu spät für einen Blogartikel, aber nachdem am 04.11.2009 in der Saarbrücker Zeitung ein Bericht über Twitter erschienen ist, der nicht nur mich wütend gemacht hat, musste ich mir heut mal ein Herz fassen und diesen Blogeintrag schreiben.
Warum hatte der SbrZ-Artikel bei mir diese Reaktionen ausgelöst? Nun, Aussagen & Meinungen dazu gibt es eigentlich schon genug, deshalb möchte ich nur noch kurz auf den Artikel eingehen.
Ich habe persönlich nichts gegen Kritiker, im Gegenteil: Ein gewisse, gesunde Skepsis ist absolut berechtigt.Twitter ist nicht Allheilmittel und soll es auch niemals sein. Es gibt Vor- und Nachteile, das möchte ich gar nicht verschweigen. Aber der Artikel hatte für mich einen bitteren Beigeschmack, weil eben NUR die negativen Erfahrungen geschildert wurden. Gleichzeitig wurde aber kein einziges positives Beispiel erwähnt, sodass ein für mich einseitiger Bericht entstanden ist.
Dies finde ich einfach schade, denn einige Menschen die sich vielleicht überlegt hatten den Dienst einmal auszuprobieren, sind durch diesen Artikel wahrscheinlich von ihrer Idee abgesprungen und werden in Zukunft einen großen Bogen um die Twittercommunity machen. Eben das finde ich sehr, sehr schade! Niemand muss Twitter lieben und keiner muss ausnahmsloser Twitterfan werden, aber alle Personen die sich nicht sicher sind, was sie von Twitter halten sollen, sollten den Dienst einfach einmal ausprobieren!
Genau diese Botschaft möchte ich in die Welt tragen und schlussendlich, um die Akte Zeitungsartikel damit zu schließen, fand ich es extrem schade, dass die Saarbrücker Zeitung nicht die gleiche Botschaft übermittelt hat mit ihrem Artikel.
Aber ich bin ein hilfsbereiter Mensch und habe deswegen den Autor des Artikels und die ganze Redaktion zum nächsten Twitterstammtisch eingeladen. Ich hoffe, dass sie meiner Einladung folgen!
Nun also zur eigentlichen Frage:
“Warum mache ich das eigentlich?”
Warum twittere und blogge ich? Zugegeben twittere ich im Moment mehr, als dass ich blogge, aber ich hoffe dies wird sich auch bald wieder ändern
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Das Blog nutze ich hauptsächlich um Gedanken zu bündeln, um sie dann in schriftlicher Form hier mit euch zu teilen, wie ich es gerade wieder einmal tue. Mein Ziel damit ist es meinen Standpunkt zu einem speziellen Thema zum Ausdruck zu bringen und eine nachhaltige Diskussion anzuregen. Im Grunde genommen erzeuge ich durch ein Blogpost ein Ideen- und Diskussionspool, bei dem jeder Internetsurfer mitdiskutieren und agieren kann.
In Twitter hingegen sehe ich weniger ein “Chat-Tool”, mit dem man sich unterhalten kann. Klar gibt es des Öfteren auch kleine Konversationen, aber für eine tiefgründige Diskussion (wie sie in einem Blog möglich ist), ist Twitter meiner Meinung nach nicht gemacht.
Eine perfekte Nutzungsart von Twitter machte mir eigentlich Christian Spannagel vor. Er ist Professor an der PH Heidelberg und nutzt Twitter u.a. um auf Blogbeiträge oder generell externe Seiten hinzuweisen, wo eventuell Diskussionen stattfinden. D.h. er leitet sein Twitternetzwerk, also ein Teil der Personen die ihm auf Twitter folgen (u.U. evtl. auch noch andere Twitterer die den Tweet über die Twittersuche etc. finden) auf eine externe Seite, wo bereits eine Diskussion stattfindet. Dort können sie sich dann mit einbringen, in die Diskussion mit einsteigen und einen echten Mehrwert leisten!
Aber Twitter ist für mich noch viel mehr als eine neue Art eines Reiz-Kanals oder eine neue Art extrem schnell an aktuelle Informationen zu kommen. Über Twitter habe ich viele neue Menschen kennengelernt, die ich sonst wohl nie hätte kennenlernen dürfen. Egal ob das andere Menschen sind die sich auch für Bildungsthemen interessieren (s. Bildungstwittererliste) oder sympathische Saarländer/innen, die ich seit März regelmäßig auf dem Twitterstammtisch treffe!
Ulrike Kleinau beschreibt diese Veränderung, die ich durch Blogs, aber vor allem durch Twitter erfahren durfte, sehr schön in einem aktuellen Blogpost. Ich sehe immer weniger einzelne Menschen, die sich ihren Weg durchs Leben bahnen, sondern immer mehr Interessensgemeinschaften. So wie es diese schon ewig “offline” gibt (Kegelclub, Sportgemeinschaften usw.) gibt es diese, nun auch immer mehr im Netz. Aber das Tolle daran finde ich, dass diese “Onlinegruppen” auch offline existieren können, so wie z.B. der monatliche Twitterstammtisch im Saarland.
Dass sich via Twitter sogar Netzwerke von Lehrern/innen und Pädagogen bilden und wofür diese Twitter nutzen bzw. welches Potential sie in diesem Microbloggingdienst sehen, zeigt dieses Video (leider in englischer Sprache) von der ”140 character” (140-Zeichen) Konferenz aus LA:
Twitter & Education – #140conf LA from RealPlayer SP on Vimeo.
Wie oben schon erwähnt habe ich durch Twitter viele neue, extrem interessante Menschen kennengelernt, die ich sonst wohl nie getroffen hätte. Ich weiß gar nicht wo ich diesbezüglich anfangen soll. Es hat sich so viel getan innerhalb eines Jahres Twittermitgliedschaft.
Was auffällt, wenn man meine alten Blogbeiträge über Twitter liest (direkt, nach einem Monat, nach einem halben Jahr) ist, dass ich anfangs auch skeptisch war. Deswegen kann ich jeden verstehen, der zunächst skeptisch ist und nicht weiß, was er davon halten soll. So ging es mir zunächst auch und den Sinn von Twitter verstand ich auch erst mehrere Monate nach der eigentlichen Anmeldung:
“Ich habe in den letzten Monaten die Erfahrung gemacht, dass man das wirkliche Potential von Twitter erst ab einer gewissen Anzahl von “Verfolgern” (Follower) einschätzen kann. Mittlerweile habe ich dank Twitter ein 225 Man(n) starkes soziales Netzwerk aufgebaut und viele neue, nette Menschen kennengelernt. Am Anfang hatte ich immer ein wenig das Gefühl, dass ich nur mir selbst schreibe. Aber mittlerweile bekomme ich zu vielen Ideen, Gedanken usw. direkte Antwort von anderen zwitschernden Menschen. Twitter hat mittlerweile einen echten Nutzwert für mich! Ich sende etwas in die Twitterwelt und Feedback kommt zurück.” (Quelle)
In genau diesem Zitat zeigt sich für mich die bisherige Schwäche von Twitter: Am Anfang (ohne Verfolger) fühlte ich mich alleine gelassen im Twitterland und sah keinen Sinn darin einfach mal etwas in die Twitterwelt zu senden, denn offenbar hörte mir ja keiner zu. Wenn ich mir jetzt noch vorstelle, ich wäre kein bekennender Web 2.0′ler gewesen, dann muss es für absolute Twitter- und Internetneulinge extrem schwer sein, sich für einen ersten eigenen Tweet zu motivieren.
Dass dem so ist, zeigt auch eine Statistik:
” 38 Prozent der Nutzer haben noch nie einen Tweet gesendet – 75 Prozent weniger als 10″ (Quelle: t3n.de)
Aber es gibt eine Lösung für das Problem:
Wartet nicht bis euch jemand folgt, sondern geht selbst auf die Suche! Tools dazu wie die Twittersuche gibt es genug (s. hier). Außerdem kann jeder Twitterer gerne bei mir nachfragen, ob ich weitere Twitterer kenne, die interessant für euch sein könnten. Aber wichtig ist einfach, werdet selbst aktiv!
Ich war es damals auch und ging einfach auf die Suche über die Twittersuche. Tippte Begriffe wie “Bildung” oder “Saarland” ein und fand schon sehr früh Twitterer die mir bis heute ans Herz gewachsen sind! Natürlich ist unter den Entdeckungen auch der ein oder andere Twitterer, der nicht das hält was man von ihm erwartet, aber hierfür gibt es den “Unfollow”-Button und zack erhält man innerhalb von Sekunden keine Tweets mehr von diesem User. So einfach ist es!
Ihr bestimmt, mit den Entscheidungen wem ihr folgt und wem nicht, maßgeblich über die Qualität von Twitter!
Wenn euch das klar ist, dann sollte der Knoten geplatzt sein! Bei mir ist er relativ schnell geplatzt und ich fing an immer mehr mein Erforschergen freien Lauf zu lassen. Sucht was das Zeug hält und ihr werdet auch relativ schnell merken, wem ihr weiter folgen solltet und wem nicht.
So war es auch bei mir und mit der Zeit entstand ein riesiges Netzwerk. Ich folgte immer mehr Usern und einige Twitterer folgten mir. Mit der Zeit gab es auf meine Tweets immer mehr Reaktionen und spätestens da war der Bann gebrochen!
Ich lernte tolle Menschen aus dem Saarland und dem Bildungssektor kennen. Menschen mit denselben Interessen wie ich sie habe, mit denselben Gedanken und Visionen. So entstand nach und nach mein Netzwerk, mit aktuell 1.000 Twitteruser. Es entstanden gemeinsame Projekte wie der monatliche Twitterstammtisch oder das SaarCamp, das im nächsten Jahr stattfinden soll und viele weitere Projekte wie die Bildungsexpedition u.a. mit Christian Spannagel, die ich mit Spannung verfolgte und bei denen ich dank Web 2.0-Tools (Wikis, Chats etc) mitmachen konnte.
Heute, genau jetzt, stelle ich mir vor, ich hätte mich vor einem Jahr nicht bei Twitter angemeldet. Ich hätte all das verpasst und das wäre mehr als schade gewesen, denn durch Twitter habe ich nicht nur neue Menschen kennengelernt, sondern auch neue Sichtweisen auf mein bzw. auf unser Leben entdeckt. Habe neue Mottos wie “Einfach machen!” schätzen und lieben gelernt, danke hier an Melanie Gottschalk und Christian Spannagel
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Ihr seht selbst, dass bei mir in diesem Jahr viel passiert ist und es ist klar, dass ich oft ein wenig Freizeit opfern musste, aber es war weniger ein opfern, sondern eher eine Selbstverständlichkeit, weil es Spaß gemacht hat und auch immernoch macht!
Ich lebe wie jeder andere Mensch, gehe zur Uni, habe meinen engen Freundeskreis. Aber durch Web 2.0 habe ich mein Leben erweitert. Web 2.0 gab mir ein Erweiterungspaket für mein Leben, mit neuen Funktionen und Möglichkeiten!
Das Web 2.0 gibt mir die Möglichkeit über Ländergrenzen hinweg mit anderen Menschen zu kommunizieren, zu arbeiten und zu leben, die genauso denken wie ich, die die gleichen Interessen haben wie ich.
Das bisherige Leben ohne das Web 2.0 ist nicht weniger wichtig. Freunde, Bekannte und Familie weiterhin der Kern meines Lebens, aber durch das Web 2.0 wurde mein Leben bereichert. Das Leben ist nun spannender!
Jeder Tag kann etwas Neues mit sich bringen. Was passiert heute? Mit wem werde ich heute kommunizieren, wen werde ich heute kennenlernen? Welche Projekte werden heute gestartet?
Fragen die ich mir nun täglich neu stelle und die das Leben einfach interessanter & spannender machen!
Darum mach(e) ich das!
Probiert es auch aus! Erweitert euer bisheriges Leben und bei Fragen stehe ich euch gerne zur Verfügung!
Euer Andreas!


